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BESONDERES
Baumsagenplätze
Marienbäume
Erspüren Sie Plätze voller besonderer Atmosphäre, entdecken Sie geheimnisvolle Bäume und tauchen Sie ein in das Land der Sagen und Kulte. Wir möchten Ihnen Orte im Landkreis Deggendorf nahe bringen, die möglicherweise vom Tourismus weniger Beachtung finden, aber aufgrund Ihrer faszinierenden Geschichte eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit verdienen. Lassen Sie sich verzaubern und entdecken Sie Ihre Urlaubsumgebung von einer ganz anderen Seite!

Unser ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle Frau Dr. Gertrud Scherf, die uns die folgenden Ausschnitte Ihres einzigartigen Vortrages „Baumsagenplätze und Baumkultorte im Landkreis Deggendorf” bearbeitet und zur Verfügung gestellt hat.
Vielen, vielen Dank!
Kultorte
Marienbäume

Die christlichen Missionare wandten sich gegen den heidnischen Baumkult und fällten heilige Bäume, wie das berühmte Beispiel des Glaubensboten Bonifatius zeigt, der um 724 eine in der Nähe des heutigen Geismar in Hessen stehende, dem Donar geweihte Eiche fällen ließ, um die Machtlosigkeit der alten Götter zu demonstrieren. Später lebte der Baumkult, wenn auch in teilweise veränderter Form, weiter.

Ganz besonders eng ist die Verbindung zwischen der Gottesmutter Maria und Bäumen. In der mittelalterlichen Dichtung und Literatur wird sie oft mit Bäumen gleichgesetzt. Legenden über die Entstehung von Marienwallfahrten berichten oft, dass einst ein Muttergottesbild bei oder in einem Baum gefunden oder in einem Baum aufgestellt worden ist und dass sich dieses Bild als wundertätig erwiesen hat.


Aukapelle Winzer

Die Kapelle befindet sich in der Winzerer-Au, an der alten Straße von Winzer nach Hengersberg. Nach der Chronik der Gemeinde Winzer 1 entstand sie so:

1666 brachte der Schulmeister Hans Huber dort an einem Baum ein Maria – Hilf - Bild an. Einige Jahre danach entstand im Schatten von Eichen und Linden eine kleine Kapelle.
Am 25. 07. 1837 befanden sich fünf Personen zum Gebet in der Kapelle, als ein starker Gewittersturm tobte. Der Stamm einer halbmorschen Linde fiel auf die Kapelle, diese brach zusammen, die Besucher entkamen unverletzt. Man nahm dieses Ereignis als Fingerzeig vom Himmel für den längst gewünschten Kapellenneubau.

So entstand 1838 die jetzige Kapelle. Das Gnadenbild ist vermutlich noch immer das ursprüngliche aus dem Jahre 1666. 1885 wurden zur Erinnerung an die Gefallenen des Krieges 1870/71 Bäume gepflanzt. Heute finden in der Kapelle Meßfeiern und Maiandachten statt und zwei Bittgänge der Pfarrei Winzer führen hierher. Die Bäume stehen unter Denkmalschutz.


Handlab

Der Wallfahrtskirche Handlab liegt in der Nähe von Iggensbach auf einem Hügel. Joseph Klämpfl 2 bringt die Entstehungssage:

„Schon lange Zeit vor Erbauung dieser Kirche verehrte hier das Volk ein Mutter-gottesbild, welches in einer hohlen Eiche aufgestellt war. Da aber dieses Bild dann von der zu modern anfangenden Eiche in die Kirche zu Iggensbach gebracht wurde, und zur Nachtszeit wieder, wie man glaubte, wunderbarerweise in die Eiche zurückkam, und dies dreimal geschah; so ließ man das Bild auf diesem Platze, stellte es aber in die nahe Martersäule, in welcher sich das Bild der heiligen Corona befand. – Nun kamen die Andächtigen noch häufiger. Unter diesen besuchte auch die Gattin des Burgherrn zu Engelsberg fast täglich diesen Ort. Durch einen boshaften Diener zum Argwohne der Untreue gegen seine Gattin verleitet, schlich ihr der Burgherr eines Tages nach, als er bei dieser Säule einen Bettler neben ihr knien sah, glaubte er seinen Argwohn bestätigt, zog sein Schwert und hieb ihr eines Hiebes die rechte Hand ab. Voll Zutraun auf die mächtige Fürbitte Mariens hob sie die Hand auf, hielt sie an die Stelle, von der sie getrennt wurde und rief: ‚Maria Händl ab!’
Als hierdurch die Wallfahrt immer mehr zunahm, und dieser Ort, nun Händlab genannt, durch die vielen Opfer ein ziemliches Vermögen erhielt, wurde endlich i. J. 1644 die jetzige Wallfahrtskirche erbaut.”

Die Sage gehört dem Typus der so genannten Wandersage an: Ein Bild kehrt an den von ihm gewünschten Platz zurück. Der Name „Handlohe” ist im 16. Jahrhundert verbrieft und bestand bis ins 18. Jahrhundert. Im Innern der Kirche gibt es viele sehr eindrucksvolle, auch neuere Votivtafeln. Am 15. August findet alljährlich ein großer Gottesdienst im Freien statt, zu dem sehr viele Besucher kommen.
Kultorte sind Plätze, an denen Göttliches, Gott, die Gottesmutter oder Heilige verehrt werden. Nicht selten sind Kultorte an Plätzen mit Naturphänomenen entstanden: Quellen, Steine, Bäume. Kultorte können teilweise bis in vorchristliche Zeit zurückweisen.

In Sagen wird oft geschildert, wie Jenseitiges in eine Alltagswelt hereinbricht und Erschütterung bei den Menschen auslöst. Bäume, als herausragende und faszinierende Erscheinungen des Lebendigen, spielen auch in vielen Sagen eine wichtige Rolle.

Im Landkreis Deggendorf gibt es nicht nur sehr alte, ehrwürdige und eindrucksvolle Bäume, sondern auch Sagenplätze, an denen einst Bäume standen oder noch immer stehen. Auch Kultorte, die eng mit einem Baum oder Bäumen verbunden sind, findet man im Landkreis.
Teufelsbäume

Teufelsbäume
In manchen Bäumen jedoch hausen böse Geister, gern insbesondere der Teufel. Der Teufel der Volkssage ist eine Mischgestalt. Er verdankt sein Bild antiken, keltisch-germanischen und jüdisch-christlichen Traditionen. Pan, der griechische Halbgott, Walddämon und Schutzgeist der Hirten hat ebenso wie die sich im Gefolge des Wein- und Extasegottes Dionysos tummelnden lüsternen Satyrn Bocksfüße, Hörner und Schwanz geliefert.

Der keltische Unterweltsgott Cernunnos, der germanische Donnergott Thor oder Donar mit rotem Bart und Ziegenbockwagen, der dunkle germanische Gott Loki und die Riesen der Vorzeit sind in die Gestalt des Sagenteufels stärker eingegangen als Satan, der gestürzte Engel der Bibel. Das verwundert nicht, denn die vorchristlichen Götter sanken im Laufe der Christianisierung zu bösen Dämonen herab, die auch und besonders im Bild des Teufels illustriert wurden.In der Volkssage ist der Teufel ständig damit befasst, menschliche Seelen zu erbeuten und scheitert meist. Da wird der arme Teufel geprellt und betrogen und seine Vorhaben werden ständig durch einfache Dinge wie das Ertönen von Kirchenglocken oder den Anblick eines Drudenfußes gestört und vereitelt.
Dieser Volkssagenteufel ist eine insgesamt eher harmlose Gestalt, aus der erst im Zusammenhang mit den Hexenverfolgungen das eindeutig bösartige und höchst bedrohliche Wesen wurde, dessen Abartigkeiten sich in den Orgien des Hexensabbats zeigen. Dem Teufel haben es insbesondere die Eichen angetan – vielleicht ein Erbe des Wettergottes Donar. Im Landkreis Deggendorf haust der Teufel auch gern in Buchen.


Hölzerne Hand

Die Hölzerne Hand ist ein Denkmal, in dessen Einfassung eine hölzerne Hand ausgestellt ist. Im Heimatbuch für den Landkreis Deggendorf 3 von 1969 ist dazu eine Sage notiert:

„Als sich – und das ist historische Wahrheit – der Maler Reischl 1660 auf dem Wege von Regen nach Deggendorf zu nächtlicher Stunde im Greisinger Hochwald bei der erwähnten Wegespinne verirrte und das Schneegestöber ihn in arge Not versetzte, als sein Pferd bockte und weder mit guten Worten noch mit harten Schlägen weiterzutreiben war – da soll er die Mutter Gottes angefleht haben, ihm Rettung zu schicken und ihm einen Fingerzeig zu geben, wie er auf eine menschliche Behausung stoßen könnte. In seiner Angst sah er Tod und Teufel und vernahm im Schneegestöber die Wilde Jagd – bis ihm eine weiße Hand den Weg nach Greising wies, wo er für die Nacht Unterkunft fand.
Das Gelübde, das er in seiner Bedrängnis aussprach, erfüllte er nach seiner Heimkehr in Deggendorf: Ein Madonnenbildnis, das er in Greising am Böhmweg vor dem Waldlerhaus aufstellte, bildete den Ursprung der Greisinger Wallfahrt. Das Bildnis war anfänglich in einem Gehäuse gefasst, später in eine kleine Kapelle gestellt, die noch heute neben der Greisinger Kirche steht.

Zum Andenken an das Erlebnis mit der weisenden Hand errichtete er die Säule mit der hölzernen Hand an der Wegspinne im Greisinger Hochwald”. Wegkreuzungen sind seit jeher gefährliche Orte, an denen sich böse Geister, Hexen und der Teufel herumtreiben. Das zeigt diese Sage, in der das Pferd scheut und der Mensch sich nicht mehr auskennt und ebenfalls die folgende Sage, in der es wieder um einen Baum geht:

„Die Bötin und der Teufel” 4
Einmal ging eine Brotträgerin, die auch sonstige Botendienste leistete, von Deggendorf nachts heim. Bei der „hölzernen Hand” rief der Teufel von der Buche auf sie herunter: „Weibats, derf i mit dir hoamgeh?” Ohne ein Wort zu erwidern rannte das Weib seinen Weg weiter. Aber auch der Teufel lief an seiner Seite mit und schrie ihm ständig zu: „Aouha, langsam! Aouha, langsam!” Endlich kam es atemlos und in Schweiß gebadet zu seinem Häusl. Ohnmächtig fiel es zur Haustüre hinein. Der Teufel musste jedoch vor dem Hause blieben, weil am Türstock ein Trudenkreuz eingehauen war. Zeitlebens war das Weib an der Seite, an der der Teufel neben ihm hergelaufen war, kohlschwarz.”


Josefsbuche am Böhmweg

Am Böhmweg zwischen Greising und Bischofsmais steht die Josefsbuche. Der Weg war früher Teil der alten Salzstraße nach Böhmen und meist in sehr schlechtem Zustand. Die Fuhrwerke blieben oft stecken und es wurde viel gestritten und geflucht. Waltinger 5 berichtet weiter:

„Der Teufel, der an diesen Dingen seine höllische Freude hat, hielt sich gerne, besonders nachts, an der Straße auf. Sein Lieblingsplatz war auf einer riesigen Buche inmitten der ärgsten Wildnis. Sie steht noch und wird Taferlbaum genannt. Ging da nämlich einmal in stockhagelfinsterer Nacht der Reinhartsmaiser Krämer mit vollbeladener Kraxe von der Stadt heim. Da schrie es ihm aus der grauslichen Finsternis von der Buche herunter zu: ‚Der Tag ghört Dein; aber die Nacht ghört mein!’ Dem Krämer, dem bei Tag und Nacht schon so manches untergekommen war, was andere zum Laufen gebracht hätte, ihm aber nicht nahe ging, kannte sich aus, wen er vor sich hatte und gab dem Schwarzen kurz zur Antwort: ‚Sand Joseph und Maria mit’n Christkindl a bei da Nacht groast!’ Da gab es ein Krachen, als ob der ganze Wald zusammenstürzen wollte. Der Teufel war beim Nennen der hl. Namen schleunigst abgefahren. Zum Danke für seine Rettung hing der Krämer später ein paar geweihte Taferl, Bilder der hl. Familie und des hl. Joseph, an den Baum und hat so für ewige Zeiten den Teufel von diesem Platze ‚bamt’.”
Seelenbäume

Mitteleuropäische Sagen erzählen häufig von menschlichen Seelen, die in Bäumen wohnen. In der nordgermanischen Lieder-Edda wird im Eröffnungsgedicht „Der Seherin Gesicht“6 die Entstehung der ersten Menschen aus Bäumen geschildert:

Die Götter Odin, Hönir und Lodur fanden am Strand zwei als Treibgut angeschwemmte Stämme von Ask (Esche) und Embla (Ulme). Sie gaben ihnen Seele, Sinn, Leben und Farbe. So schufen sie aus der Esche den ersten Mann und aus der Ulme die erste Frau. Auch in anderen Kulturen findet man die Vorstellung von der Abstammung des Menschen aus Bäumen. Der Baum, der tief in der Erde wurzelt und mit seinen Zweigen dem Himmel zustrebt, wurde zum Verwandten und Sinnbild des Menschen.


Eichenallee in Moos

Der Sitte, bei der Geburt eines Kindes einen Baum zu pflanzen, liegt ursprünglich die Vorstellung zugrunde, dass der Baum eng mit dem Schicksal des Kindes verbunden ist. Für die Knaben wählte man früher meist einen Apfelbaum, für die Mädchen einen Birnbaum.
Eine Sage erzählt, dass Conrad Graf v.u.z. Preysing-Lichtenegg-Moos (1843-1903) für seine 10 Kinder (5 Buben und 5 Mädchen) je eine Eiche gepflanzt hat. Heute sind noch 9 von den ursprünglichen 10 Eichen erhalten. Hinter dem Schloss von Moos gibt es die Konradseiche, die wahrscheinlich nach diesem Grafen benannt wurde. Im Jahr 1975 hat man sie als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Ihr Mindestalter beträgt 300 Jahre.
Seelenbäume
Ganz besonders häufig erscheint der Baum als Wohnort der Seele nach dem Tod. Es gab etwa in Mitteleuropa den Glauben, dass die verstorbenen Eltern und Großeltern in Hofbäumen Wohnung nehmen und über das Wohl des Hauses und der darin Wohnenden wachen.
Im Gedenken an besondere Menschen pflanzte und pflanzt man häufig Bäume. Verbunden damit ist wohl eher unbewusst die Vorstellung, dass der Geist oder die Seele des oder der Hingeschie-denen den Baum beseelen mögen und weiterhin auf Erden Gutes wirken.

Die Uttolinde, ein paar Meter westlich der Uttobrunnkapelle gelegen, ist etwa 400 Jahre alt, 25 m hoch und hat einen Stammumfang von 5,5 m. Über der als heilkräftig geltenden Quelle wurde 1699-1701 im Auftrag des Mettener Abtes Benedikt Ferg die Uttobrunnkapelle erbaut. Kapelle und Linde erinnern an den seligen Utto (gestorben 829), den ersten Abt, vielleicht auch Gründer, des 766 errichteten Klosters Metten.

Es gibt dazu die Sage 7, dass Karl der Große sich einmal auf der Jagd verirrte und endlich die
Uttolinde

Uttolinde
Klause des Einsiedlers Utto erreichte. Dieser nahm den Kaiser gastlich auf und zeigte ihm den Weg. Karl bat Utto, einen Wunsch zu äußern. Da nahm Utto ein Beil, warf es in die Luft und bat den Kaiser, dort wo es niederfiele, ein Kloster erbauen zu dürfen. Das Beil blieb in einer riesigen Eiche stecken und dort entstand das Kloster Metten.

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Text-Quellen:
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1 Marktgemeinde Winzer (Hrsg.): Chronik der Gemeinde Winzer. Passau: Neue Presse Verlags-GmbH 1982.
2 Joseph Klämpfl: Der ehemalige Schweinach- und Quinzingau. Passau: Neue Presse Verlags-GmbH 1993. Unveränderter Nachdruck der
   zweiten Auflage von 1855.
3 Der Landkreis Deggendorf – ein Heimatbuch. Hrsg. vom Landkreis Deggendorf. Landau a.d. Isar: Heimatland-Verlag 1969, S. 225f.
4 Waltinger, M. und H.: Bischofsmais. Volks- und heimatkundliche Skizze, in: Der Bayerwald, 30. Jg., 1932
5 Waltinger, M. und H.: Bischofsmais. Volks- und heimatkundliche Skizze, in: Der Bayerwald, 30. Jg., 1932
6 Die Edda. Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen. Übertragen von Felix Genzmer, eingeleitet von Kurt Schier.
   Düsseldorf, Köln: Eugen Diederichs 1981.
7 Michael Waltinger: Niederbayerische Sagen. Gesammelt und wiedererzählt. Illustrationen von K. Katzenberger. 4. Auflage. Passau:
   Passavia 1992,S. 208f.


Alle Rechte für die Veröffentlichung des Textes auf dieser Seite liegen bei der Autorin:
Dr. Gertrud Scherf, 94486 Osterhofen.


Frau Dr. Scherf lebt als freie Autorin im Landkreis Deggendorf und hat viele Bücher über die Natur, die Pflanzen und Tiere ver-öffentlicht, wobei ihr die kulturhistorischen Aspekte immer besonders wichtig sind. Sie arbeitet u. a. für den Bund Naturschutz Deggendorf www.bn-deggendorf.de

Quelle der Fotos: Antje Rubi ©